Ein ambulanter Pflegedienst bittet eine Praxis um Behandlungsinformationen — per KIM oder verschlüsselter E-Mail. Die Antwort der Praxis: „Schicken Sie mir das als Fax.“ Ein Faxverbot würde dieses Problem nicht lösen — denn das eigentliche Problem liegt woanders.

Was KIM ist

KIM steht für Kommunikation im Medizinwesen — vereinfacht: die sichere E-Mail für das deutsche Gesundheitswesen, betrieben über die Telematikinfrastruktur (gematik). Technisch ist KIM in vielen Praxen längst vorhanden.

Infrastruktur ohne Prozess

Vorhanden heißt aber nicht angekommen. In vielen Praxen hat niemand dem Team sauber erklärt:

  • Wann nutze ich KIM, für welche Fälle?
  • Wo finde ich es im System?
  • Wer ist verantwortlich?
  • Was mache ich, wenn der Empfänger nicht gefunden wird?

Digitalisierung, die im Rack hängt und nicht im Kopf, ist keine Digitalisierung. Sie ist Infrastruktur ohne Prozess.

Fazit

Die Technik ist selten das Nadelöhr — der Prozess ist es. Wer KIM (oder jede andere digitale Anbindung) wirklich nutzen will, muss Zuständigkeit, Anlassfall und den Handgriff im Alltag klären, nicht nur die Leitung legen. Wie wir Abläufe in Praxen betrachten, bevor über Software gesprochen wird, ist genau darauf ausgerichtet.

Einordnung aus der Praxisperspektive — kein rechtlicher Ratgeber.