Eine Praxis kann alles richtig machen und trotzdem sanktioniert werden. Während Patienten seit dem 1. Juli über jeden ePA-Zugriff informiert werden – Transparenz, die richtig ist – geht es hier um die andere Seite derselben Medaille.
Die Sanktionslogik
Seit Januar gilt für Praxen: Wer die ePA nicht nutzt, dessen Honorar wird um 1 Prozent gekürzt, zusätzlich wird die TI-Pauschale halbiert. Fehlen zwei oder mehr Pflichtanwendungen, entfällt die Pauschale vollständig. Die Logik dahinter: Druck erzeugt Nutzung.
Nur: Wo soll eine Praxis ansetzen?
Drei Faktoren liegen außerhalb ihrer Kontrolle:
- Ein Teil der PVS-Hersteller hat die ePA-Module verspätet oder unvollständig ausgeliefert – entwickeln kann die Praxis sie nicht selbst.
- In einem Zeitraum von rund zweieinhalb Monaten gab es 21 ePA-relevante TI-Störungen – die Infrastruktur kann die Praxis nicht selbst stabilisieren.
- Mehr als die Hälfte der Praxen berichtet von regelmäßigen TI-Ausfällen – während dieser Zeit lässt sich nicht dokumentieren, was das System nicht ermöglicht.
Sanktioniert wird also die einzige Beteiligte ohne direkten Einfluss auf die Ursachen. Verantwortung ohne Kontrolle ist keine wirksame Steuerung – sie wird schnell zu Symbolpolitik auf Kosten der Versorgung.
Was Praxen jetzt konkret tun sollten
- Jede TI-Störung mit Datum und Dauer dokumentieren und der KV melden, nicht nur dem IT-Dienstleister.
- Den PVS-Anbieter schriftlich kontaktieren, wenn Module fehlen oder nicht zuverlässig funktionieren – die Dokumentation kann gegenüber der KV helfen.
- Den eigenen Sanktionsstatus kennen: Welche Pflichtanwendungen sind aktiv, welche fehlen, was zeigt die Abrechnung?
Bleibt die grundsätzliche Frage an die Politik: Warum sind Sanktionen nicht an die tatsächliche Verfügbarkeit der Infrastruktur gekoppelt? Vorgaben und Fristen veröffentlicht die gematik.
Stand: Juli 2026. Einordnung, keine Rechts- oder Abrechnungsberatung. Interner Link zum ePA-Push-Artikel beim Website-Einbau setzen.
