Der bekannteste Medikationsplan Deutschlands ist ein zerknittertes Blatt Papier im Portemonnaie — Stand: irgendwann, Vollständigkeit: unklar, Lesbarkeit: je nach Faltung. Ab dem 1. Oktober 2026 soll der digitale Medikationsplan das ändern. Zwei Stufen werden dabei im Praxisalltag oft verwechselt.

Stufe 1: die elektronische Medikationsliste (eML)

Die eML in der ePA läuft bereits. Sie befüllt sich automatisch aus eingelösten eRezepten — niemand muss sie pflegen. Das ist ihre Stärke und zugleich ihre Schwäche: Was nicht per eRezept lief, fehlt. Selbstmedikation, Privatrezepte, das Ibuprofen aus der Hausapotheke — unsichtbar.

Stufe 2: der digital gestützte Medikationsprozess (dgMP)

Der dgMP mit elektronischem Medikationsplan direkt in der ePA wird seit Juli in ausgewählten Regionen pilotiert und kommt ab 1. Oktober 2026 bundesweit. Der Plan ist das, was die Liste nicht ist: kuratiert, mit Dosierung und Hinweisen — der Nachfolger des bunten Papierplans.

Was das im Praxisalltag bedeutet

  • Die Medikationsanamnese wird schneller — die eML zeigt auf einen Blick, was eingelöst wurde. Gerade bei neuen und älteren Patienten mit langen Listen ein echter Gewinn.
  • Blind vertrauen darf man ihr nicht. Automatisch befüllt heißt nicht vollständig. Die Frage „Was nehmen Sie sonst noch?“ bleibt.
  • Das PVS muss mitspielen. Die eML muss strukturiert (FHIR) verarbeitet werden können, nicht nur als PDF angezeigt. Wer beim Anbieter noch nicht nachgefragt hat: jetzt ist der Moment.

Die Frage, die in keiner Fachinfo steht

Die Liste pflegt sich selbst. Der Plan nicht. Wer in der Praxis hält ihn aktuell — Ärztin, MFA, „wer gerade Zeit hat“? Ein eleganter Ausweg: den Medikationsplan nicht als eigene Pflegeaufgabe behandeln, sondern als Nebenprodukt der ohnehin nötigen Dokumentation. Wer strukturiert dokumentiert, bekommt den aktuellen Plan quasi geschenkt — es entsteht keine zusätzliche Zuständigkeit, die vergessen werden kann.

Fazit

Ist diese Zuständigkeit nicht vor dem 1. Oktober geklärt, passiert mit dem eMP dasselbe wie mit dem Papierplan: Er veraltet — nur diesmal sichtbar für alle Mitbehandler. Werkzeuge ersetzen keine Zuständigkeit. Sie machen nur sichtbarer, wenn sie fehlt.

Stand: Juli 2026. Dieser Beitrag ordnet die Einführung ein und ersetzt keine Rechtsberatung.